Grußwort von Prof. Dr. Herm.-J. Blanke (Universität Erfurt)

Herr Minister,
Herr Präsident,
liebe Ehemalige – oder in der britischen Version: old girls and old boys,

in Vorbereitung dieser zugesichert fünfminütigen Begrüßung, die von mir als Vertreter der Staatswissenschaftlichen Fakultät nach dem zehnten Jahr meiner Erfurter Professur erbeten wurde, bin ich auf die Website der University of California, Berkeley gegangen und fand dort unter der Rubrik „Alumni“: „Feed your inner bear at Homecoming 2010. Reunite with old friends.” Das Füttern des inneren Bärs drückt den ganzen Heißhunger aus, den Absolventen der amerikanischen Eliteuniversitäten verspüren, wenn sie an die Stätte ihrer akademischen Bildung und Ausbildung zurückkehren dürfen. Verbunden bleiben sie ihr ein Leben lang, denn sie spüren, dass sie dieser Einrichtung Unterstützung und Loyalität schulden.

Diese Dankbarkeit wissen amerikanische Universitäten geschickt umzumünzen in die Finanzierung von Forschung und Lehre. Vielleicht deutet Ihre Anwesenheit, Herr Minister Machnig, auch darauf hin, dass sich der haushaltsmäßig stets arg gebeutelte Freistaat Thüringen von der Erfurter Alumniinitiative ähnliches erhofft.

Die Idee der Alma Mater, der gütigen Mutter, die ihre Zöglinge mit Bildung und Wissen nährt, treibt tatsächlich aus der wesentlich jüngeren Universitätsgeschichte der Vereinigten Staaten einem Europa entgegen, das seine akademischen Wirkstätten, jedenfalls auf die institutionelle Gesamtanlage und nicht den einzelnen Dozenten bezogen, häufig zu bürokratisch-technischen Einheiten ohne corporate identity hat entarten lassen.

Es steht den deutschen Universitäten, zumal wenn sie so klein und fein sind wie die Universität Erfurt, indes gut an, sich daran zu erinnern, dass der in Amerika sehr gebräuchliche Begriff der Alma Mater vom Motto „Alma Mater Studiorum“ der Universität Bologna (1088) stammt. Im Zentrum der Universitätsverfassung standen hier bekanntlich die Studenten. Dies unterscheidet sie von der bis heute fortwirkenden Verfassung der Sorbonne.

Die Gründung des Erfurter Alumni-Netzwerks stellt einen wichtigen Schritt in der jungen Geschichte meiner Fakultät dar. Zuvörderst erwarten wir hiervon, im Kontakt mit den Absolventen jedenfalls ihren beruflichen Lebensweg verfolgen zu können. Gemeinsam ist allen Alumni-Initiativen weltweit indes viel mehr: Die Hochschulen wollen ihre Ehemaligen dafür gewinnen, etwas für ihre Ausbildungsstätte zu tun und ihr etwas zurückzugeben. Alumniarbeit kann deshalb nur erfolgreich sein, wenn sich die Absolventen gerne an ihre Alma Mater erinnern, nicht nur wegen der spannenden Lehrveranstaltungen, sondern auch wegen der Serviceleistungen einer Universität durch die Verwaltung und in Einrichtungen des Studentenwerks.

Zu Recht hat der Präsident des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft, der Unternehmer Arend Oetker, daran erinnert, dass die Alumni-Arbeit beginnt, lange bevor ein Kandidat die Hochschule verlässt. An der Zufriedenheit der Studenten bemisst sich das Gelingen einer Universität. In ihr muss sich der Erfolg der Studierenden im Gleichklang mit den Forschungsinteressen der Professoren einstellen. In der Verbindung beider Seiten besteht die Herausforderung der Hochschulen: Die jungen bringen neue Ideen, die älteren ihre Erfahrungen ein. So sind Lehrende zugleich Lernende und Lernende immer auch Innovatoren. Beide begegnen sich daher auf Augenhöhe.

Ich danke auch im Namen des Dekans den aus acht Jahrgängen stammenden Gründern der Erfurter Alumnivereinigung für Ihr Engagement und Ihre Bereitschaft, ein persönliches Band zu dieser Fakultät zu knüpfen, die ihre Studenten leider oftmals schon mit dem Bachelor-Abschluss wieder verliert. Möge der Universität Erfurt und ihren Fachbereichen ein institutionelles Fortleben auf einem personellen Niveau beschieden sein, das die Wertschätzung ihrer Studierenden täglich neu zu begründen vermag! Auch für die geselligen Teile dieser mehrtägigen Veranstaltung wünsche ich den zahlreich erschienenen Alumnae und Alumni: „Feed your inner bear!“

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2 Gedanken zu “Grußwort von Prof. Dr. Herm.-J. Blanke (Universität Erfurt)

  1. Engler schreibt:

    Guten Tag, ich studiere Public Management (B.A.) an der FH Nordhausen. Ist dieser Abschluss bei entsprechender Abschlussnote ausreichende Zugangsvoraussetzung für den Masterstudiengang Staatswissenschaften?

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